Die Diagnose klingt zumindest nicht schlimm. Tennisarm – das lässt auf Sportlichkeit schließen. Doch wer unter einer Epicondylitis leidet, wie der schmerzende Ellbogen fachmedizinisch heißt, hatte in den meisten Fällen noch nie einen Tennisschläger in der Hand.
Viel öfter tritt die Erkrankung nach ganz alltäglichen Beschäftigungen auf, etwa häuslichen Renovierungs- oder Putzarbeiten, ausgiebigem Schneeschippen, Rasenmähen oder Heckenschneiden. Mechaniker, Installateure und Fliesenleger sind häufiger betroffen, aber auch Sekretärinnen und andere Personen, die viel mit Tastatur und Computermaus arbeiten. „Beim Tennisspielen trifft es oft Amateure, die mit falscher Technik spielen und aus dem Handgelenk schlagen“, berichtet Professor Peter Müller vom Münchner Universitätsklinikum Großhadern. „Profis bekommen in der Regel keinen Tennisarm.“
Solche einseitigen Belastungen können die Streckmuskulatur des Unterarms chronisch überfordern, die für die Bewegung von Fingern und Handgelenk zuständig ist. „Bemerkbar macht sich das dann im Ellbogen, und zwar dort, wo die Sehnen des Muskels ansetzen: am Epicondylus, einem kleinen Knochenvorsprung auf der Außenseite des Ellbogens“, erklärt Dr. Bernd Lasarzewski, Chefarzt der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid. Meist schmerzt der Arm nur in Bewegung, etwa beim Greifen und Heben, seltener in Ruhe. Auch die Kraft in Hand und Fingern kann nachlassen. Meist stellt der Arzt die Diagnose anhand einer einfachen körperlichen Untersuchung, zum Beispiel durch Strecken des Handgelenks und eine Drehbewegung im Ellbogen gegen Widerstand.
„Die frühzeitige Behandlung ist wichtig, damit die Beschwerden nicht chronisch werden“, betont Peter Müller. Zunächst sollte man den Arm schonen und vor allem die auslösende Tätigkeit nach Möglichkeit für einige Zeit ruhen lassen. Eine Ellbogenbandage oder eine Epicondylitis-Spange, die knapp unterhalb des Ellbogens den Unterarmmuskel umfasst, kann die gereizten Sehnenansätze entlasten.
Um die Entzündung einzudämmen, den Schmerz zu lindern sowie die überlastete Muskulatur zu dehnen und zu kräftigen, setzen Therapeuten meist auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Kälte und Salbenverbände sollen die Entzündung lindern. Ultraschall- oder Elektrotherapie soll die Durchblutung anregen und die Muskulatur lockern. Manchen Patienten tut auch Wärme gut. Der Physiotherapeut kann eine spezielle Massage (Querfriktion) anwenden, die quer zum Sehnenansatz ausgeführt wird. Krankengymnastik zur Dehnung der verkürzten Streckmuskulatur ergänzt die Behandlung.
Manche Ärzte spritzen niedrig dosiertes Kortison, um die Entzündung einzudämmen. Studien zeigen aber, dass ein Training zur Kräftigung der Muskulatur den Tennisarm anhaltender und mit weniger Nebenwirkungen kuriert als die Therapie mit Kortison. So zeigte eine schwedische Studie mit 297 Patienten gute Ergebnisse für ein gezieltes Muskeltraining. Es umfasste ein Dehnprogramm, Übungen zur Kräftigung der Arm-, Brust- und Schultermuskulatur sowie ein Haltungstraining.
Letzte Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Dabei löst der Chirurg die Sehne teilweise vom Knochen, und sie wächst dann weiter unten wieder an. Zusätzlich kann er das Nervengeflecht veröden, das den schmerzenden Bereich versorgt. „Wir müssen selten operieren. Die meisten Fälle bessern sich durch die konservative Therapie“, berichtet Experte Peter Müller.
Vorbeugend hilft es, die typische Fehlbelastung zu vermeiden: Tennis mit der richtigen Technik spielen – und am Computer unterstützen Auflagepolster vor der Tastatur sowie ergonomisch geformte, vertikale Mäuse das Handgelenk.
Maria Haas / Apotheken Umschau;
10.10.2011, aktualisiert am 10.10.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, F1 online/Tips Images
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