sehr häufige virale Infektionskrankheit, die durch den zu den Herpesviren zählenden Cytomegalievirus (CMV) hervorgerufen wird. Die Zytomegalie gilt heute als die häufigste vorgeburtliche Infektion, die über Blut und Plazenta von der Mutter auf den Fötus übertragen wird. Gefährlich sind v. a. die ersten 6 Schwangerschaftsmonate. Zwischen Erwachsenen wird das Virus durch Tröpfcheninfektion oder Geschlechtsverkehr weitergegeben, ein weiterer Weg ist die Organtransplantation. Der Erreger verbleibt, wie viele andere Herpesviren auch, im Körper und kann sich später im Verlauf einer Abwehrschwäche reaktivieren und zur Erkrankung führen.
Befund: Bei intakter Immunabwehr verläuft die Infektion bei Erwachsenen nahezu symptomlos. Die pränatale Infektion führt bei 20 % der Neugeborenen zu schweren Krankheitsbildern, z. B. mit Meningitis, epileptischen Krampfanfällen, Wasserkopf, Leberentzündung und Blutarmut. Viele Neugeborene sind bei der Geburt unauffällig, obwohl sie bereits Schäden an Innenohr und Gehirn haben, und entwickeln erst später erkennbare Symptome. Die Zytomegalie ist wahrscheinlich eine der häufigsten erkennbaren Ursachen für geistige Schäden und Schwerhörigkeit. Sehr viel häufiger ist die Ansteckung während der Geburt (perinatale Infektion), die aber harmlos mit grippeähnlichen Symptomen verläuft. Bei Menschen mit Abwehrschwäche (z. B. Aids‐ und Tumorkranke) entwickeln sich durch Ansteckung oder Reaktivierung des Virus oft lebensgefährliche Erkrankungen, die nahezu jedes Organ befallen können, besonders häufig die Netzhaut der Augen mit Gefahr der Erblindung sowie das Zentralnervensystem und die Lunge. Hilfreich für die Diagnose sind die z. B. in Urin oder Speichel nachweisbaren Eulenaugenzellen, infizierte Körperzellen, in denen mikroskopisch Partikel nachweisbar sind, auch Virus- und Antikörpernachweise im Blut werden durchgeführt.
Behandlung: Bei schweren Verläufen wird eine Symptombesserung durch spezifisch gegen das Virus wirksame Abwehrkörper erreicht; auch virushemmende Mittel finden Anwendung. Bei Organtransplantationen und Transfusionen wird darauf geachtet, dass Empfänger, die nachweislich noch nicht mit dem Virus infiziert sind, Organe bzw. Transfusionen von nicht infizierten Spendern erhalten. Eine sichere und gefahrlose Schutzimpfung existiert derzeit noch nicht.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.04.2011
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